Solidarität unter Druck

Solidarität unter Druck

Die Rote Hilfe verteidigen

 

Die Rote Hilfe war 1924 als Rote Hilfe Deutschlands im Umfeld der KPD gegründet worden. Sie hatte dazu dienen sollen, die von der Klassenjustiz der formell bürgerlich-demokratischen, de facto aber auf dem rechten Auge blinden und nach links tretenden Weimarer Republik verfolgten Genossen zu unterstützen. 1975 wurde die Rote Hilfe neu gegründet – mit derselben Zielstellung. Dabei war und ist irrelevant, ob es sich bei den jeweiligen Roten nun um Kommunisten, Sozialdemokraten (die in der Weimarer Republik durchaus noch kämpferisch waren, was heute nur noch ein Ausnahmefall ist), Anarchisten, “demokratische Sozialisten” oder sonstige Aktivisten handelt – Solidarität macht stark, und gemeint sind ohnehin wir alle, so die Devise.

Doch dadurch, dass die designierte Berliner Bürgermeisterin Erif Eralp von den Linken langjähriges Mitglied der Roten Hilfe war und derzeit ohnehin jede nur erdenkliche Sau durchs Dorf getrieben wird, um die Linke (als Partei wie auch als breite Bewegung) zu diskreditieren, rückt diese “linksextreme Organisation” nun wieder in den Fokus der Massenmedien. Auch der Bayerische Rundfunk (BR) hat es sich nicht nehmen lassen, ein Schauerstück über die Rote Hilfe zu schreiben – “Rote Hilfe: Welche Rolle spielt der Verein in Bayern?” Und während sich herausstellt, dass der Verein keinen bayerischen Landesverband und lediglich sieben Ortsgruppen hat, lässt der BR die Gelegenheit natürlich dennoch nicht aus, den bürgerlichen Leser ordentlich das Fürchten zu lehren.

So heißt es beispielsweise vom bayerischen Innenministerium, die Rote Hilfe sei “die größte und eine der wichtigsten Organisationen im Linksextremismus”. Dadurch, dass sie auch Gewalttäter unterstütze, lasse sie erkennen, dass sie Gewalt nicht nur befürworte, sondern auch aktiv fördere. So was aber auch! Dabei weiß doch nun jeder, dass linke Gewalttäter kein Recht auf angemessene Verteidigung haben. Als Nächstes will man uns womöglich erzählen, wenn ein Rechtsanwalt einen Mörder verteidige, lasse er damit erkennen, dass er Morde befürworte und aktiv fördere … Es ist unsäglich dumm, aber genau so argumentieren diese Superdemokraten im “besten Deutschland aller Zeiten”.

Was stört die Herrschenden wirklich an der Roten Hilfe? Zum einen natürlich, dass sie die Klassenjustiz behindert. Der wirkliche Kern des Problems ist aber ein anderer – linke Solidarität. Wir Linken sind Meister darin, uns zu spalten und zu zersplittern; teils an grundsätzlichen, viel zu oft aber auch an völlig nebensächlichen Fragen. Anarchisten verweigern die punktuelle Aktionseinheit mit Kommunisten wegen irgendwas, das im Spanischen Bürgerkrieg vor rund 90 Jahren passiert sein soll. Maoisten und Hoxhaisten streiten sich erbittert im Grunde darum, wer das coolere Maskottchen für ihre Bewegung ist. Andere Parteien verfahren nach dem Prinzip “Alles Verräter außer uns” und grenzen sich scharf von allen anderen Bewegungen und Parteien ab. Und wir als DKP haben uns auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert, was den Umgang und die Dialogbereitschaft mit Kritikern von Sowjetunion und DDR betraf.

Die Bourgeoisie reibt sich freudig die Hände. Sie liebt kommunistische Parteien – für sie kann es nie genug davon geben. Denn je mehr es gibt und je zerstrittener wird sind, desto mehr werden unsere ohnehin nicht gerade gewaltigen Kräfte zersplittert, desto mehr verzettelten wir uns in “innerlinken Bürgerkriegen”, desto weniger Einfluss erlangen wir, und desto abschreckender wirken wir auf die Menschen. Die Rote Hilfe durchbricht diesen Prozess. Hier geht es wie gesagt nur darum, ob ein Linker wegen einer politisch motivierten Tat verfolgt wird. Das macht die Klassenjustiz etwas schwieriger; aber der Justizapparat der BRD findet schon immer Mittel und Wege, diesen vaterlandslosen Gesellen zu zeigen, wo der Hammer hängt. Was sie wirklich fürchten, ist die praktizierte linke Solidarität. Und die sollten wir nun auch gegenüber der Roten Hilfe zeigen.

Ralph Petroff