Krisenvorsorge selbstgemacht
In Nürnberg gingen kürzlich die IWA OutdoorClassics zu Ende. Was zum Geier ist das denn, höre ich Sie fragen? Dabei handelt es sich um eine Fachmesse für Jagd- und Sportwaffen. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt jedoch auf der Krisenvorsorge.
Und es stimmt ja: Die Krisenfälle nehmen zu. Nicht nur wird der Bürger vom neoliberal orientierten Staat (bei zunehmenden großen Stromausfällen in Europa ebenso wie im Ahrtal) zunehmend im Stich gelassen, der Imperialismus führt auch zu immer mehr Unberechenbarkeit und neuen Gefahrenherden, wie zuletzt der hinterhältige Angriff der USA und Israels auf den Iran – während laufender Verhandlungen. Man denkt dabei unwillkürlich an Goethes Erlkönig: Und bist Du nicht willig, so brauch ich Gewalt … Die USA sind unter Donald Trump nicht kriegerischer oder friedenswilliger als zuvor – das liegt nun mal am System –, allerdings selbst für Verbündete wesentlich weniger berechenbar.
Insofern ist verständlich, dass die sogenannte Prepper-Szene (Menschen, die sich auf alle möglichen Katastrophen bis hin zum Atomkrieg) boomt und die Menschen versuchen, sich vorzubereiten – wenn der Staat schon nicht (mehr?) für uns sorgt, dann müssen wir das eben selbst in die Hand nehmen, so die Maxime. Doch wie so viele Lösungen im Rahmen des bürgerlichen Systems ist auch diese viel zu kurz gedacht: Schenke einem Mann einen Fisch, und er hungert einen Tag nicht mehr; lehre ihn fischen, und er hungert nie wieder, sagt man. Genau so verhält es sich auch hier: Krisenvorsorge kann nicht in Vereinzelung sowie Zersplitterung und schon gar nicht in der Bewaffnung möglichst vieler Bürger bestehen, sondern nur in kollektivem Zusammenhalt. Und wirklich effektiv ist sie auch nur dann, wenn sie die Ursachen für die Krisen beseitigt. Und das heißt, um es klipp und klar zu sagen: Der Kapitalismus muss beseitigt werden.
Doch natürlich bietet diese ganze Szene wieder einen Markt, auf dem die Anbieter mit den Sorgen der Menschen ihr Geld machen. Es geht nicht darum, dass Menschen sich sicher fühlen; im Gegenteil, Sinn und Zweck ist das Befeuern von Angst. Sonst verkauft man nichts. Das ist so bei Versicherungen, in der Pharmaindustrie, beim Nachhilfelehrer, der Altersvorsorge oder eben bei der Krisenvorsorge. Je größer die Angst, desto merkwürdiger das Angebot und die Kapitalisierung. Ich erinnere mich noch, als es vor ein oder zwei Jahren bei Norma im Onlineshop einen Zwei- Quadratmeter-(!)-Hobby-Bunker für mehrere tausend Euro zu kaufen gab. Weil man darin ja die Zeit überbrücken kann bis der radioaktive Fallout verschwunden ist … Es ist einfach lächerlich.
Wenn wir uns bei all den Krisen die Spritpreise und bald auch die Heizkosten anschauen, die durch die völkerrechtswidrigen Sanktionen ohnehin schon hoch sind, wird eben klar, dass auch Krisenvorsorge eine Klassenfrage ist. Wird der Staat denn einspringen, um Heizkosten aufzufangen, gerade wenn uns die Mieten sowieso schon auffressen? Nein! Und ein Kanzler, der zuvor für die Wall Street gearbeitet hat und zwei Privatjets besitzt, wird daran nicht mal denken. Es sei denn, er erzählt seinen Kapitalisten-Kumpels einen neuen Witz.
Wir betonen es immer wieder, aber es verliert eben einfach nichts an seiner Richtigkeit: Die Krise heißt Kapitalismus, und nur der Sozialismus kann uns retten.
Ralph Petroff & D. S.
