Heimatschutz – Was ist das?

Heimatschutz – Was ist das?

 

Haben Sie, liebe Leserin und lieber Leser, Probleme mit der monatlichen Bezahlung Ihrer Miete? Wachsen Ihnen die Kosten für Strom, Wasser, Lebensmittel usw. über den Kopf? Sind Sie nur eine kaputte Waschmaschine davon entfernt, einen Kredit aufnehmen zu müssen?

Dann Kopf hoch, denn es gibt auch gute Nachrichten: Der Staat investiert. Nein, nicht etwa in den gemeinen Pöbel, aber in die Kriegsführung! Die Rüstungskonzerne florieren, es werden vermehrt Übungen abgehalten, und auch der sogenannte “Heimatschutz” wird ausgebaut.

Heimatschutz? Was ist das denn?, höre ich Sie fragen. Hier handelt es sich um Zivilisten, die sich freiwillig als Reservisten gemeldet haben und neben ihren eigentlichen Berufen immer wieder Krieg spielen. Mich persönlich erinnert dieses Zurückgreifen auf Zivilisten an das berühmt-berüchtigte “letzte Aufgebot” in der deutschen Geschichte; etwas weniger polemisch könnte man den Heimatschutz mit der US-Nationalgarde vergleichen. Der Bayerische Rundfunk (BR) hat eine Gruppe ziviler Kriegsenthusiasten bei einem Lehrgang auf dem Übungsplatz im unterfränkischen Hammelburg begleitet.

Man fragt sich unwillkürlich, was diese Menschen dazu motiviert. Es sind die unterschiedlichsten Personen mit den verschiedensten Qualifikationen und einer beachtlichen Altersspanne: “Die Jüngsten sind Anfang 20, die Ältesten um die 60”, schreibt der BR. (Sehr junge und recht alte Menschen – schon wieder so eine historische Parallele …) Zur Motivation fallen natürlich die üblichen Sätze aus dem Propaganda-Werkzeugkasten: “Diese Freiheit, diese Demokratie, in der ich aufgewachsen bin, will ich verteidigen”,  wird ein Teilnehmer vom BR zitiert. Und das ist ja auch nur logisch: Denn wir wissen ja alle, dass die Weltpolitik funktioniert wie Actionserien für Kinder und die Superschurken in Moskau, Peking, Pjöngjang, Teheran, Kabul und wo auch immer nicht ruhen werden, bis sie uns die beste aller denkbaren Welten, das “beste Deutschland aller Zeiten” endlich genommen haben.

Und da offensichtlich ist, dass diese Erklärungen Blödsinn sind, stellt sich die Frage, vor wem dieser Heimatschutz die Heimat denn wirklich schützen soll. Die Antwort ist einfach, liebe Leserin und lieber Leser: vor Ihnen! Schließlich könnten Sie auf die Idee kommen, dass ein System, in dem immer Geld für Tod und Vernichtung da ist und nie für die Verbesserung des Lebens (jedenfalls nicht des Lebens der normalen Werktätigen), gar nicht mal so toll ist. Zumal die Waage im Kriegsverlauf noch mehr zugunsten der Kanonen und zuungunsten der Butter ausschlagen würde. Sie könnten auf die Idee kommen, dass es sich nicht lohnt, für so einen Staat zu kämpfen und zu sterben. Oder schlimmer noch: Sie könnten revoltieren. Dabei ist doch bekannt, wie wichtig eine gesicherte Heimatfront ist, um einen “Dolchstoß” ja nicht zuzulassen. Und genau dafür sind Gruppierung wie dieser Heimatschutz da. Er soll nicht die Heimat, sondern letztlich vor der Heimat schützen.

Aber es soll niemand sagen, bei der Armee habe man keinen Sinn für Gemeinsinn: Der Heimatschutz dient auch ganz direkt Ihnen, liebe Leserin und lieber Leser! Bei besagter Übung wurde nämlich unter anderem trainiert, im Ernstfall kritische Infrastruktur zu schützen. Ob Sie sich deren Nutzung überhaupt noch leisten können, ist das eine – aber immerhin, geschützt wird sie. Da kann man ruhig mal dankbar sein …

Ralph Petroff

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