Der Iran-Krieg und die Auswirkungen für uns
Dass der Iran-Krieg die Weltwirtschaft durcheinanderbringt, ist ja bekannt. Gerade der Transport von Waren über die Straße von Hormus ist schwierig bis unmöglich geworden. Das betrifft auch die lokale Industrie, und ganz besonders Schmierstoffe spielen dabei eine große Rolle.
Für Unternehmen wie Schaeffler haben diese nach eigenen Angaben laut dem BR eine große Bedeutung. Und da es sich hier um einen Grundstoff handelt, steht die Produktion still, sobald die Vorräte aufgebraucht sind und kein Nachschub mehr ankommt. Was das wiederum bedeutet, kann man sich vorstellen: Im Sozialismus, in dem ein Recht auf Arbeit besteht, würden die Arbeiter aus staatlichen Mitteln weiterbezahlt. Im Kapitalismus hingegen – mit dem wir es ja leider zu tun haben – sind die Konsequenzen im besten Falle Kurzarbeit oder Gehaltssenkung, im schlimmsten Insolvenz und Entlassung.
Würde man Donald Trump nicht als genialen Strategen und besonnenen Menschen kennen, könnte man fast meinen, er habe sich impulsiv und planlos auf diesen Konflikt eingelassen. (Auch bei diesem ernsten Thema sei mir ein kleiner Scherz erlaubt.) Doch auch, wenn Trump sicher nicht die hellste Kerze auf der US-imperialistischen Torte ist, sollte man sich hüten, die Aufmerksamkeit allein auf ihn zu lenken. Das Imperium befindet sich im Niedergang und verliert an Boden – wirtschaftlich, aber auch in ihrer Kernkompetenz, dem Militärischen. Dort ist sein Vorsprung zwar noch spürbar, aber gerade China ist enorm innovativ und holt rasant auf. Wirtschaftlich ist die Volksrepublik – also ein Systemrivale – ohnehin auf der Überholspur.
Es mag durchaus sein, dass irgendjemand Trump mit emotionalen Argumenten zu diesem Krieg aufgestachelt hat und dieser dann impulsiv darauf angesprungen ist; aber selbst dann muss man fragen: Warum wollte jemand den Präsidenten so aufstacheln? Der Grund ist, wie nahezu immer, in der ökonomischen und der geopolitischen Sphäre zu suchen: Wer den Iran kontrolliert, beherrscht wichtige Rohstoffvorkommen – und, wie man derzeit eindringlich sieht, bedeutende Handelswege. Derzeit steht der Iran der Volksrepublik China nahe – also gerade dem Hauptfeind der imperialistischen Führungsmacht. Und das spielt eine gewisse Rolle: Bei einem Regime Change könnte die chinesische Energieversorgung geschwächt und gleichzeitig die Verwirklichung der Belt and Road Initiative zumindest erschwert werden.
Das alles ist wildes Umsichschlagen eines Ertrinkenden, das mich an das Zitat von Rolf Rüssmann erinnert: “Wenn wir hier nicht gewinnen, treten wir ihnen wenigstens den Rasen kaputt.” Das bedeutet aber nicht, dass der Imperialismus deshalb harmlos ist oder automatisch irgendwann zusammenbricht. Der US-Imperialismus ist, wie Mao Tsetung treffend sagte, ein Papiertiger – aber eben einer mit Atomzähnen. Und wie es Mao ebenfalls auf den Punkt brachte: “Für alles Reaktionäre gilt, dass es nicht fällt, wenn man es nicht niederschlägt. Es ist die gleiche Regel wie beim Bodenkehren: Wo der Besen nicht hinkommt, wird der Staub nicht von allein verschwinden.”
Und solange wir den Staub nicht zum Verschwinden gebracht haben, werden wir uns auf noch deutlich größere Erschütterungen gefasst machen. Wir hoffen es natürlich nicht – aber dagegen könnte die aktuelle Situation wie ein Kindergeburtstag anmuten.
Schaeffler hat ohnehin schon Probleme als Automobilzulieferer, der Krieg unserer US-amerikanischen “Partner” wird die Situation für unsere Wirtschaft und natürlich auch für unsere Unternehmen weiter verschärfen – und damit für das Proletariat. Danke an die US Administration …
Ralph Petroff
