Taser für Schweinfurter Polizei
Vor rund einer Woche begann in drei bayerischen Städten der Testlauf zum Einsatz von Tasern bei der Polizei – darunter auch Schweinfurt. Taser sind Geräte, die Pfeile verschießen, die der beschossenen Person wiederum Stromstöße versetzen. Damit lassen sich gefährliche Gesetzesbrecher aus der Distanz ausschalten, zudem sind diese Stromstöße nicht tödlich. Weniger Gefahr also – für die Polizisten und sogar für die (potenziellen oder tatsächlichen) Täter. Was könnte man daran also auszusetzen haben?
Nun, zum einen sind diese Stromstöße trotzdem nicht ohne: Die Spannung eines solchen Tasers beträgt immerhin bis zu 50.000 Volt, die da durch den Körper gejagt werden. Auch bei sehr geringer Stromstärke tut das sicherlich nicht gut; und wenn der Beschossene Vorerkrankungen oder etwa einen Herzschrittmacher hat, kann das Ganze sehr wohl auch tödlich ausgehen. Zum anderen aber gibt es da noch einen ganz anderen Effekt – die sinkende Hemmschwelle.
Es ist bekannt, dass grundsätzlich alle uniformierten Einsatzkräfte – selbst die Feuerwehr oder Sanitäter – zunehmenden Aggressionen ausgesetzt sind. Hinzu kommt, dass es die Polizei im Einsatz auf der Straße anders als Notärzte nicht selten mit gefährlichen Personen zu tun hat. Das allgemeine Sicherheitsbedürfnis im öffentlichen Raum ist durch Vorfälle wie etwa vermehrte Messerattacken empfindlich gestört; gerade auch Polizisten, die sich Tag für Tag in diesem Großstadtdschungel bewegen und jederzeit zu einer gefährlichen Situation gerufen werden können, dürften da wohl keine Ausnahme darstellen.
Wenn man nun diesen Taser bei sich hat, fühlt man sich also etwas sicherer: Im Ernstfall kann man die Bedrohung damit ausschalten. Und im Gegensatz zum Gebrauch der Schusswaffe sind die Folgen weit weniger drastisch – die getaserte Person stirbt (in der Regel, siehe oben) daran nicht, und der Einsatz wird wohl auch keine internen Ermittlungen nach sich ziehen. Diese Mischung aus dem Gefühl zunehmender Bedrohung und einer grundsätzlich nicht tödlichen Waffe dürfte dazu führen, dass im Zweifel lieber mal der Taser gezückt und eingesetzt wird. Womöglich sogar dann, wenn das Gegenüber gar nicht gefährlich ist. Zugleich hinterlassen Taser beim Opfer kaum Spuren; und man muss dabei bedenken, dass Polizisten hier gegen Kollegen ermitteln müssten und die “Blaue Mauer” nicht nur in den USA steht.
Dabei soll das hier keine plumpe Stimmungsmache à la “All Cops Are Bastards” oder “Prügelbullen” werden. Es geht hier nicht um den Polizisten oder die Polizistin, die in vielen Fällen beste Absichten haben, ihren Job gewissenhaft verrichten und wirklich Menschen helfen wollen. Der freundliche Wachtmeister fühle sich hier also bitte nicht angesprochen. Es geht hier um die Polizei als Institution – und die ist nun mal in jedem Staat (zumindest auch) Repressionsorgan der jeweils herrschenden Klasse. Wer zum Beispiel schon mal auf einer Demonstration war, der weiß, wie das läuft: Die Polizei ist wachsam und angespannt, und dem Verhalten der Beamten nach ist zu vermuten, dass gerade diejenigen zu einem solchen Einsatz geschickt werden, die am wenigsten mit dem Anliegen der Demonstranten sympathisieren.
Da reicht dann manchmal schon eine Situation, die womöglich zur Bedrohung werden könnte, oder irgendetwas, das den Beamten nicht passt, damit sich Gewalt entlädt. Und wenn man sich jetzt vorstellt, in solchen Situationen kämen auch noch Taser hinzu … Wie gesagt, Parolen wie “ACAB” sind infantil und Forderungen wie “Defund the Police” lächerlich – das wird jeder verstehen, der irgendwann in seinem Leben schon mal die Polizei rufen musste. Aber wenn ich an die strukturellen Aufgaben der Polizei und zugleich an das eine oder andere schwarze Schaf denke, dann möchte ich diesen lieber keinen Taser in die Hand drücken.
Ralph Petroff
