Geschlechter(un)gleichheit

Geschlechter(un)gleichheit

 

Ein Artikel des Bayerischen Rundfunks (BR), aber vor allem die Arztbesuche meiner Freundin sowie die Behandlung ihrer Symptome und Schmerzen haben mich veranlasst, das Thema mal genauer aufzugreifen.

Das hier soll kein woker Text über 71 verschiedene Geschlechter werden. Es geht schlicht um Anatomie, Medizin und soziale Gerechtigkeit.

Ich höre es privat und lese es immer wieder: Frauen werden oft nicht ernst genommen. Laut der Studie “Gesundheit in Deutschland aktuell” (GEDA 2019/2020) des Robert Koch-Instituts suchten Frauen durchschnittlich etwa neun- bis zehnmal pro Jahr einen Arzt auf, Männer etwa sieben- bis achtmal. Das bedeutet: Frauen gehen ungefähr 20 bis 30 Prozent häufiger zum Arzt als Männer. Gleichzeitig bekommen Frauen eine schlechtere Behandlung. Die medizinische Versorgung ist historisch und strukturell auf den männlichen Körper als Norm ausgerichtet. Dieser “Gender Data Gap” führt zu konkreten Nachteilen für Frauen: von gefährlichen Fehldiagnosen bei Herzinfarkten über unpassende Medikamentendosierungen bis hin zur jahrelangen Bagatellisierung chronischer Schmerzen. Die Ungleichbehandlung ist somit nicht nur eine Frage der Inanspruchnahme von Leistungen, sondern auch der Qualität der erhaltenen Behandlung.

Das hat ganz konkrete Auswirkungen, die viele Leserinnen kennen dürften: Man wird nicht ernst genommen, muss sich dadurch (mal wieder …) eine neue Praxis suchen, allein in der Hoffnung, dass man dort auf fortschrittlichere Mitmenschen trifft. Manche Frauen leiden über Jahre hinweg an Schmerzen und verlieren dadurch nicht nur Lebensqualität, sondern auch das Vertrauen in die Medizin.

Mediziner, die vom BR zitiert werden, sorgen sich allerdings eher um unser Wirtschaftssystem. “Fast 20 Prozent der Frauen denken wegen Wechseljahresbeschwerden daran, früher in Rente zu gehen. Das ist nicht nur wegen Fachkräftemangel und Altersarmut gravierend.”

Sind das Randerscheinungen? Nein, das ist ein Fehler des Systems selbst. Dorothee Bär (CSU) möchte das ändern: 90 Millionen Euro will sie in fünf Jahren investieren. Mit etwas Reform und Investition ist es da allerdings nicht getan, wenn das System selbst vergammelt.

Außerdem bestehen die Probleme nicht nur in der Medizin. Wir haben schon einmal über das Thema häusliche Gewalt geschrieben. Auch hier ist es für Frauen schwierig. (Wobei uns auch klar ist, dass es einen signifikanten Anteil männlicher Betroffener gibt.) Die Hemmschwelle ist hoch, auch, weil man immer wieder auf Beamte und gar Psychologen trifft, die einem nicht so recht glauben oder sogar Mitschuld geben. “Warum haben Sie sich denn nicht mehr gewehrt?”

Das Problem mit der Ungleichbehandlung der Geschlechter kann und wird im Kapitalismus nie komplett gelöst werden können. Schon allein, weil sich beide als “Humankapital” nicht auf die gleiche Weise ausbeuten lassen und Frauen durch ihre Menstruation finanziell mehr Ausgaben haben als Männer. Komplette Gleichberechtigung, oder auch intersektioneller Feminismus, kann erst im Sozialismus erkämpft werden – wenn die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen endlich ihr Ende gefunden hat.

D. S.