Feuerwehr und Ehrenamt

Feuerwehr und Ehrenamt

 

Der Bayerische Rundfunk widmet der Freiwilligen Feuerwehr einen ganzen Artikel unter dem Titel “Leben retten als Ehrenamt: Wie läuft die Feuerwehr-Ausbildung?” Und das ist auch völlig berechtigt – wir reden hier von Menschen, die sich in Gefahr begeben, um anderen zu helfen, und das auch noch, ohne dafür Geld zu bekommen. Man kann diesen Leuten kaum genug Anerkennung zollen.

Doch leider liegt genau in diesem Umstand ein Problem, und es geht dabei auch nicht nur um die Feuerwehr. Der Staat zieht sich aus einigen seiner Kernaufgaben zurück und baut darauf, dass es schon engagierte Bürger geben wird, die das in Eigenregie (und kostenlos) machen. Das kann gutgehen, und wenn, werden die Ehrenamtlichen dann und wann von der Politik scheinheilig gefeiert. Grundsätzlich ja wie gesagt auch zu Recht – man muss diesen Menschen dankbar sein. Aber es kann doch nicht sein, dass zentrale Aufgaben vom guten Willen (oder den Möglichkeiten) der Bürger abhängig sind!

Diese Entwicklung ist Teil der neoliberalen Entstaatlichung: Privat vor Staat, wie die FDP diese Linie einst treffend zusammenfasste. Das Problem dabei ist allerdings: Wo Profite abzusehen sind, bedeutet “privat” Profitgeier und Investoren, die aus ihrem “Engagement” Maximalprofit ziehen wollen. Damit ist auch klar, was aus dieser Entwicklung folgt – der Service wird zumeist schlechter, die Preise hingegen explodieren. Wo jedoch kein Profit absehbar ist, soll diese “Drecksarbeit” bitte der einzelne Bürger privat verrichten. Doch was ist, wenn es nicht genug Menschen gibt, die das tun wollen oder können? Tja, dann habt ihr eben Pech gehabt, wenn zum Beispiel die Feuerwehr kaum hinterherkommt …

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: In Wiesentheid im Landkreis Kitzingen gab es vor vier Jahren eine heftige Überschwemmung. Die Freiwillige Feuerwehr war damals trotz ihres ehrenwerten Einsatzes völlig überfordert. Ganz anders hingegen derzeit in China: Nach der schrecklichen Katastrophe im Grenzgebiet zu Nepal hat die Volksrepublik massiv Rettungskräfte geschickt und für die Betroffenen neue Unterkünfte organisiert. Das ist es, was eine Regierung tut, die wirklich dem Volk dient.

Lebten wir nicht in einer kapitalistischen Dystopie, wäre es Aufgabe des Staates, die Sicherheitsbedürfnisse der Bürger (auch die sozialen) zu erfüllen. Es bräuchte Profis, die ausgebildet werden, vollberuflich tätig sind und von ihrer Tätigkeit auch leben können. Es ist ehren- und dankenswert, dass es Personen gibt, die sich privat in ihrer Freizeit zu engagieren bereit sind. Aber es kann nicht sein, dass die Last, das gesamte System am Laufen zu halten, auf ihren Schultern liegt! Und das obendrein auch noch für einen feuchten Händedruck. Wir können diesen Menschen wirklich nur unsere Hochachtung aussprechen – und hoffen, dass es stets genug davon gibt …

Ralph Petroff & D. S.