Wofür gibst Du Dein Geld aus?

Wofür gibst Du Dein Geld aus?

 

Das Bayerische Landesamt für Statistik hat erforscht, wofür die Menschen in Bayern so ihr Geld ausgeben. Da wir ja bekanntlich alle mehr arbeiten müssen und wie die Maden im Speck leben, könnte man natürlich annehmen, dass Freizeitvergnügen und Luxusgüter den Löwenanteil der Ausgaben ausmachen.

Wer im Gegensatz zu Spitzenpolitikern in der wirklichen Welt lebt, weiß natürlich, dass das in Wahrheit ganz anders aussieht. Und so dürften die Zahlen auch kaum überraschen: Auf Platz 1 der Ausgaben liegt klar und deutlich das Wohnen. Jeder weiß, wie sich die Mietpreise entwickeln – und es ist nun mal ein Grundbedürfnis, ein Dach über dem Kopf zu haben. Darüber hinaus ist das auch eines der Dilemmata, aus denen Obdachlose so schwer herauskommen: Keine Wohnung ohne Job – und kein Job ohne festen Wohnsitz.

Auf Platz 2 finden sich die Kosten für Mobilität – sei es nun das Auto oder der ÖPNV. Wer wie ich seit Jahren regelmäßig die Bahn nutzt, weiß sehr gut, wie sich die Kosten diesbezüglich entwickelt haben – was ja auch nur zu gerechtfertigt ist, wenn man bedenkt, dass die Gegenleistung immer schwächer wird. Das Auto oder die Bahnkarte sind für die allermeisten Menschen ein absolutes Muss – sei es, um zur Arbeit und wieder nach Hause zu kommen, oder sei es für den Einkauf.

Apropos Einkauf: Lebensmittel stehen auf Platz 3 der Liste. Ist ja auch wiederum klar – der Mensch muss essen, um zu leben. Und es ist nicht auszugehen, dass Austern und Kaviar im Nobelrestaurant einen besonders großen Anteil dieses Postens ausmachen. Hier geht es um ganz normale Lebensmittel aus dem Supermarkt, die für das Überleben nun mal unverzichtbar sind. Auch hier weiß übrigens jeder, wie sich die Preise entwickelt haben. Bis hierhin ist also jeder Cent in das absolut Essenzielle geflossen.

Erst auf Platz 4 finden sich Freizeitaktivitäten. Wobei man hier in zweierlei Hinsicht differenzieren muss: Erstens wird es sich dabei eher um Kinobesuche oder eine Dauerkarte beim Fußball handeln als um Golfturniere oder exklusive Reitstunden. Und zweitens macht hier das Einkommen den Unterschied: Haushalte mit einem Einkommen von bis zu 1.300 Euro geben im Monat 76 Euro für die Freizeit aus, während es bei jenen mit bis zu 5.000 Euro Ausgaben von 536 Euro sind.

Wir sehen also bestätigt, was Karl Marx schon vor 159 Jahren entdeckt hat: Der Wert der Ware Arbeitskraft besteht in ihren Reproduktionskosten. Auf gut Deutsch gesagt: Der Werktätige bekommt gerade das, was nötig ist, um ihn durchzufüttern, und wenig mehr – wenn überhaupt. Wo hingegen der Mehrwert hinfließt, den er produziert, ist klar; der geht an die Kapitalisten, die seine Arbeitskraft gekauft haben. Der Sklave bekam einst kein Gehalt, aber Nahrungsmittel und ein Dach über dem Kopf gestellt, um ihn arbeitsfähig zu halten. Der heutige Lohnsklave bekommt seinen Lohn – der aber zu wenig mehr ausreicht, als ihn arbeitsfähig zu halten.

Insofern hat diese Studie nichts anderes zutage gefördert als das, was jeder, der sich kritisch mit dem Kapitalismus auseinandersetzt, seit über 100 Jahren weiß (und wer es nicht weiß, spürt es doch am eigenen Leib) …

Ralph Petroff