Feuer frei in Unterfranken
Vermehrt kommt es in letzter Zeit – nicht nur in Deutschland – zu Waldbränden. Jüngst war auch Unterfranken davon betroffen. Das ist natürlich einerseits kein Wunder: Es ist extrem heiß, Laub und Holz sind trocken, da kann das schnell gehen. Wenn sich die Temperaturen in den nächsten Jahren weiter so entwickeln, wird man auch vermehrt mit Waldbränden rechnen müssen.
Doch ist das nicht einfach ein Schicksal, das sich nicht abwenden ließe. Es gibt durchaus Möglichkeiten, Waldbränden vorzubeugen. Speziell die Löschwasserinfrastruktur ist im Ernstfall wichtig; hinzu kommen beispielsweise automatische Kamerasysteme, Früherkennungssysteme für Rauchentwicklung und Satellitenüberwachung, die man einsetzen könnte. Es gibt Optionen zur Prävention, man muss Waldbrände nicht fatalistisch hinnehmen.
Das Problem dabei ist: All das kostet. Die Kommunen sind klamm, und überhaupt sollen ja bekanntlich Unsummen in die Kriegstüchtigkeit fließen. Es ist nicht mehr nur so, dass “wir” uns Soziales “nicht mehr leisten können” (bzw. wollen!); auch die Sicherheit von Mensch und Natur wird zu teuer. Was angesichts der Tatsache, dass “wir” uns ja angeblich für “unsere Sicherheit” bis an die Zähne bewaffnen müssen, blanker Hohn ist. Hinzu kommt, dass tatsächlich auch viele Kasernen in Waldgebieten stehen – und man darf davon ausgehen, dass deren Zahl zunehmen wird. Da ist zurückgelassene oder verlorene Munition eine weitere Brandquelle.
Allerdings muss man den Herrschenden zugestehen: Es ist eine geniale Strategie, um sich vor dem kriegslüsternen Russen zu schützen. Wir alle wissen ja: Der ist auf Eroberung und Expansion – ach was, Weltherrschaft! – aus und wird nicht ruhen, bis er auch in Berlin steht. Doch wenn wir unser Land so weit ruinieren, dass am Ende nichts mehr davon übrig ist außer einer schwer bewaffneten Armee, dann kommt der Russe bestimmt nicht. Was wollte er hier auch holen? Das wäre wie ein Einbruch in eine schäbige Hütte. Vielleicht sind die Herrschenden gar nicht so inkompetent und gleichgültig, wie es scheint, und das alles ist ein genialer Plan …
Doch Spaß beiseite: Es gibt ein Lied der früheren DDR-Punkband Schleimkeim, in dessen Refrain es scherzhaft heißt “Mach Dich doch selbst kaputt, bevor es jemand anderes tut”. Genau daran muss ich immer denken, wenn es um den politischen Kurs dieses Landes geht. Wenn die Entwicklung so weitergeht – und von selbst wird sie nicht aufhören –, bringen wir uns selbst in einen Zustand, in den der Imperialismus die Kolonien gezwungen hat: Eine Sache funktioniert (dort die Monokultur, hier das Militär), auf die wird alles ausgerichtet, und der Rest ist völlig un- oder unterentwickelt. Es ist allerhöchste Zeit, dass wir uns dem endlich widersetzen. Die Propaganda von “unserer Sicherheit” ist damit jedenfalls gründlich widerlegt – die größte Gefahr für uns sitzt in Deutschland, nicht in Russland oder sonst wo …
Ralph Petroff
