Hitzewelle und Systemversagen
Auch, wenn es zuletzt wieder etwas abgekühlt ist: Die Hitzewelle hat das Land im Griff. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber mir setzt die Hitze durchaus zu. Tagsüber, wenn es richtig heiß ist, bin ich passiv und lustlos und werde im wahrsten Sinne des Wortes nachtaktiv, wenn es kühler wird. Temperaturen nahe oder gar über der Körpertemperatur machen vielen Menschen das Leben schwer und sind für einige gar lebensgefährlich. In Frankreich etwa sind bereits rund 1.000 Menschen mehr pro Tag gestorben, als eigentlich (so traurig bereits das ist) erwartet worden wäre.
Und nicht nur im Alltagsleben wird die Hitze zum Problem – auch die Infrastruktur stellt sie vor Herausforderungen. Straßen und Schienen schmelzen regelrecht und verformen sich, was den Verkehr massiv behindert. In Nürnberg und Würzburg standen deshalb kürzlich die Straßenbahnen still. Nicht, dass die Bahn für chronische und enorme Verspätungen erst einen wirklichen Grund bräuchte; aber dieser Faktor verschlimmert die Lage nun mal weiter. Und auf das Auto auszuweichen, ist auch nicht wirklich hilfreich (schon gar nicht jetzt, wo der sogenannte Tankrabatt endet; aber das ist ein eigenes Thema).
Da wäre es praktisch, wenn wir durchdachte und vorausschauende Politik bekommen hätten; aber das wird wohl jeder Leser nur mit höhnischem Gelächter quittieren und auch in Zukunft vom Politestablishment der BRD nicht erwarten. Doch dann könnten wir uns doch zumindest von Ländern helfen lassen, die eine solche Politik betreiben, oder nicht? Und da gäbe es auch ein Land: Dort sind Klimaanlagen gang und gäbe, und es werden rund um die Uhr Geräte produziert, die zu erschwinglichen Preisen in den Westen geliefert werden. Von dort kommt also tatsächlich Hilfe, ohne das viel Lärm darum gemacht wird.
Das Problem dabei ist: Dieses Land – Sie ahnten es sicher schon – ist China. Ich spreche also von einem Land, gegen das der Westen einen Wirtschaftskrieg führt und von dem er sich unter den Schlagworten “Derisking” und “Decoupling” möglichst isolieren will (was uns hier übrigens deutlich härter träfe; doch dies nur nebenbei). Ein Land, dem seit einiger Zeit sogenannte “Überkapazitäten” vorgeworfen werden. Doch nun sind es genau diese, die gerade Europa eine Verschnaufpause verschaffen. Denn in China selbst sind Klimaanlagen Standard, aber hier in Europa werden sie dringend gebraucht – und zwar von Leuten, die dank der Kahlschlagpolitik nicht ansatzweise das Geld für ein deutsches Modell haben. Nun kommt uns dieses Land zu Hilfe – und was passiert? Die Propaganda wird einfach kurz eingestellt. Kein Wort des Dankes, kein Wort der Reue – wozu auch? Die Kampagnen werden ja sicher bald wieder (und ich bin mir der Ironie der Wortwahl bewusst) aufgewärmt.
Und da niemand aus dem politischen Establishment das tun wird, sage ich es: Ich danke der Volksrepublik China für ihre vorausschauende Politik und der chinesischen Arbeiterklasse für ihren tüchtigen Einsatz sowie den internationalistischen Geist!
Ralph Petroff & D. S.
