Allgäuer Logistikkonzern und der Krieg gegen Iran
Der Allgäuer Logistikkonzern Dachser hat seinen Umsatz in letzter Zeit ordentlich gesteigert, er liegt bei beachtlichen 8,3 Milliarden Euro. Dennoch, so berichtet der Bayerische Rundfunk, macht sich das Unternehmen Sorgen. Denn durch den Krieg gegen den Iran steigen nicht nur die Treibstoffpreise, sondern auch der Transport von Luft- und Seefracht wird immer komplizierter.
Zum Glück können die steigenden Preise weitgehend an den Kunden weitergegeben werden – das ist in diesem Fall zwar nicht direkt der Verbraucher, sondern der Auftraggeber des Logistikkonzerns. Doch an wen wird der wohl seine gestiegenen Kosten weitergeben? Das heißt, dass letzten Endes wieder mal der Verbraucher leiden wird. Und es bestätigt damit wieder mal das, was wir hier schon lange immer wieder schreiben: Rüstung und Krieg bedeuten Sozialkahlschlag und sinkenden Lebensstandard. Es ist ja auch ganz einfach: Entweder Kanonen oder Butter. Mehr vom Einen heißt weniger vom Anderen. (Jedenfalls für die, die die Butter produzieren; die den Rahm abschöpfen, kriegen trotz der Kanonen genug Butter auf den Tisch – manche sogar gerade wegen der Kanonen.)
Das Ganze macht indes noch aus einer anderen Perspektive deutlich, wie sehr sich die Regierung und die Herrschenden um die werktätige Bevölkerung sorgen – nämlich weniger als um den Dreck unter ihren Fingernägeln. Dachser ist trotz des gewaltigen Umsatzes ein Familienunternehmen des oberen Mittelstands, viele der Kunden zählen zum klassischen Mittelstand – und wir erinnern uns: Dieser Mittelstand, das sind die Leistungsträger, die Säulen unserer Gesellschaft, die in jeder Hinsicht gefördert werden müssen. Am Fall Dachser zeigt sich die Heuchelei all dieser Parolen: Politiker und Wirtschaftsbosse sagen bloß Mittelstand, weil es sich schöner und bodenständiger anhört als Monopolkapital – gemeint ist mit all den Parolen von den Leistungsträgern und der Förderung hingegen gerade jenes.
Nicht einer gewissen Komik entbehrt übrigens, dass Dachser der Situation begegnen will, indem man vermehrt auf Elektrofahrzeuge umstellt. Wieso komisch, werden Sie vielleicht denken: Das ist doch eine naheliegende und vernünftige Reaktion, und gut für die Umwelt ist es obendrein! Nun, die Komik liegt darin, dass auf diesem Sektor ausgerechnet die Volksrepublik China weltweit marktführend ist – während die Fahrzeuge von dort durch Zölle und sonstige Restriktionen aus politischen Motiven künstlich verteuert oder der Import gar unmöglich gemacht wird. Unter diesen Umständen stellt sich zumindest kurzfristig die Frage, ob Dachser damit überhaupt günstiger wegkäme. In diesem Sinne kann man sagen, dass der Imperialismus dem Konzern gleich zweimal gegen das Schienbein getreten hat – mit dem Irankrieg und mit seiner aggressiven antichinesischen Politik.
Nun hält sich unser Mitleid mit einem privaten Unternehmen, das Milliarden Umsatz macht, naturgemäß in Grenzen. Doch der Punkt ist: Wie geht es weiter? Wie oben schon skizziert, wird die Rechnung letztlich die werktätige Bevölkerung zahlen. Für diese gibt es auch keine Schutzmaßnahmen, denn – siehe wiederum oben – das Geld wird ja für Kriegsgerät benötigt. Und so muss man von allen ideologischen, moralischen und sonstigen Erwägungen abgesehen festhalten: Wir können uns dieses System einfach nicht mehr leisten. Das gilt zunehmend sogar für Teile des Kapitals, aber besonders für die Werktätigen, die den Reichtum produzieren, von dem sie doch nichts haben.
Ralph Petroff
