Schulstreik 5. März
Am 5. März fanden zum zweiten Mal bundesweite Schulstreiks gegen die Wehrpflicht statt – auch in Unterfranken. Veranstalter ist die Organisation Schulstreik gegen Wehrpflicht, die übrigens auch außerhalb derartiger Aktionen ein permanentes und nachhaltiges Engagement gegen Wehrpflicht und Militarismus an den Tag legt.
Mehr als 50.000 Jugendliche sollen daran teilgenommen haben. Die Stimmung dabei war laut der jungen Welt nicht nur pazifistisch, sondern vor allem klassenkämpferisch geprägt: So veröffentlichte die Zeitung ein Foto aus Berlin, auf dem ein Plakat mit Hammer und Sichel sowie eines mit der Aufschrift “Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!“ zu sehen sind. Und der Bayerische Rundfunk zitiert den 15-jährigen Linus von Sicard mit den Worten: “Langfristig ist unsere Idee, eine große antimilitaristische Jugendbewegung aufzubauen, die sich dann nicht nur gegen die Wehrpflicht, sondern auch andere Formen dessen richtet.” Wir sehen also: Es geht hier nicht um eine faule Generation, die einfach keinen Bock hat, ihren Anteil zu leisten; sondern es herrscht hier klares politisches Bewusstsein vor.
In Unterfranken fielen die Schulstreiks unterschiedlich aus: In Bamberg sollen rund 100 Schüler daran teilgenommen haben; einem Foto zufolge war die Stimmung ähnlich wie in Berlin klar von Antimilitarismus und Klassenkampf geprägt. In Würzburg hingegen gab es laut Main-Post (Bezahlschranke) keine Schülerbeteiligung, und in Schweinfurt ist es leider erst gar nicht gelungen, einen Schulstreik zu organisieren – viele Schüler wurden von ihren jeweiligen Schulleitungen geradezu eingeschüchtert. Außerhalb von Unterfranken gab es im oberfränkischen Hof einen Demonstrationszug. Auch in Erlangen und Nürnberg gab es Schulstreiks. In Nürnberg ist auffällig, dass die Parolen sehr unterschiedlich waren: Vom zahnlosen Pazifisten-Klassiker “Frieden schaffen ohne Waffen” bis hin zu “Krieg dem Krieg” war alles dabei.
Und natürlich wurden die Schüler nicht im Stich gelassen: Viele Organisationen beteiligten sich an Organisierung und Ablauf der Schulstreiks, darunter natürlich wir, die DKP und die SDAJ, ebenso die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) oder auch die Freidenker. Auch die junge Welt war vielerorts vertreten. Denn wir wollen die Jugendlichen in ihrem antimilitaristischen Kampf unterstützen und zugleich den einzigen konsequenten Lösungsweg aufzeigen: “Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen” (Jean Jaurès) – und deshalb muss der Kampf um den Frieden mit jenem für Sozialismus und Kommunismus aufs Engste verbunden sein.
Auffällig ist allerdings, dass und in welchem Maße hier mit zweierlei Maß gemessen wird: Bei Fridays for Future und den Schulstreiks zum Klimaschutz wurden von den eher konservativen Teilen der herrschenden Klasse mit enger Verbindung etwa zur Autoindustrie sowie deren Sprechpuppen zwar dämonisiert, stieß jedoch auf auffällige Sympathie bei den linksliberalen Teilen der herrschenden Klasse, die ihr Geld mit Klimaschutz machen (bzw. dem, was sie dafür halten). Diese Schulstreiks gegen die Wehrpflicht, bei denen es nicht minder um die Zukunft der Jugend geht, werden hingegen einhellig skandalisiert, teilnahmewilligen Schülern waren teils Verweise angedroht worden, die die Teilnehmer oftmals auch bekommen haben. Gerade das hat dazu geführt, dass in Schweinfurt selbt erst gar keine Kundgebung realisiert werden konnte.
Man sieht, wohin die Reise gehen soll: Wenn es um Militarismus und Krieg geht, kennt die herrschende Klasse wie einst Kaiser Wilhelm keine Parteien mehr, sondern nur noch Deutsche – und die haben bitte Gewehr bei Fuß zu stehen und die Heimatfront zu stabilisieren! Wider den undeutschen Geist und das wehrkraftzersetzende Friedensgewäsch – das gab es schon einmal. Am Ende dessen standen ein Weltkrieg, Millionen Tote sowie ein geschlagenes, zerstörtes Land. Historische Parallelen sind immer schwierig, und Nazivergleiche verbieten sich eigentlich; aber es ist doch offensichtlich, wohin die Rüstungsspirale führt. Ganz zu schweigen vom Sozialabbau (irgendwoher muss das Geld ja kommen), den wir alle schon seit Jahren spüren. Doch wird dieser Kurs fortgesetzt, ist die Perspektive der Arbeiterklasse düsterer denn je.
Es ist erfreulich zu sehen, dass sich die junge Generation dem so zahlreich und so entschlossen entgegenstellt. Der nächste bundesweite Schulstreik gegen die Wehrpflicht findet übrigens am 8. Mai statt – sinnigerweise also am Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus.
Ralph Petroff & D. S.



