Kritik am Schulsystem

Kritik am Schulsystem

 

Ich habe ein Lehramtsstudium hinter mir. Warum habe ich diesen Beruf nicht ergriffen? Nun, dafür gibt es mehrere Gründe.

Einer der Gründe dafür liegt darin, dass – egal, wie gut der Lehrer ausgebildet ist – es letztlich nur ums Pauken geht. Um an dieser Stelle ein grobes Beispiel zu gebrauchen: Was hilft es, wenn die Schüler wissen, dass der Zweite Weltkrieg (in Europa!) 1939 begann – aber vom klassenpolitischen Inhalt des Krieges nichts verstehen?

Der Schweinfurter Gymnasiallehrer Oliver Kunkel unterrichtet anders – lebendig, anschaulich. Das geht aus einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR) hervor. Und man muss ihm dafür dankbar sein; Menschen wie Kunkel inspirieren ihre Schüler, statt ihnen bloßes Wissen einzupauken. Das Problem ist nur: Gerade das ist nicht gewollt. Auch der Bildungsforscher Klaus Zierer schreibt, dass Schüler mit Wissen vollgestopft würden, unabhängig davon, wie es den Schülern damit geht.

Zierer wünscht sich daher mehr Pädagogik, statt starres Wissen zu pauken. Doch es gibt dabei ein Problem: Der Kapitalismus will, wie jede Sklavenordnung, möglichst dumme Menschen. Die Werktätigen müssen gerade so klug sein, wie es eben nötig ist, davon abgesehen könnten gebildete Sklaven aber zu Problemen führen – zur Frage zum Beispiel, wozu die Sklavenordnung überhaupt gut sein soll.

Bildung ist wie alles andere auch eine Klassenfrage. Neu ist das nicht. Viele berühmte historische Personen haben harsche Kritik am bürgerlichen Schulsystem geäußert. So etwa der revolutionäre Physiker Albert Einstein. Doch die wenigsten wissen, dass Einstein für den Sozialismus eintrat. Die Länder, die den Sozialismus aufbauen oder in der Vergangenheit aufzubauen versuchten, haben signifikante Resultate bei der Errichtung eines fortschrittlichen Bildungssystems erreicht. Denn Bildung ist im Sozialismus ein zentrales soziales Menschenrecht. Dabei geht es um mehr als nur die Vermittlung des geistigen Werkzeugs, um gut funktionierende Arbeiter fürs System heranzuziehen. Nein, es geht darum die Menschen zu entwickeln, um eine Gesellschaft aufzubauen, die sich entwickeln kann. Fähigkeiten müssen gefördert und nicht durch Einheitspaukerei ersetzt werden.

Es spricht für Kunkel, dass er versucht, den Schülern mehr als reines Datenwissen einzupauken. Es spricht auch für ihn, dass er es für extrem befriedigend hält, wenn seine Schüler auf diese Weise mehr lernen als Daten. Aber es spricht auch für sich, wenn er beklagt, dass das bayerische Schulsystem (und ja nicht nur das …) nicht hinter ihm steht. Denn wie gesagt: Keine Sklaverei wünscht sich gebildete Sklaven. Und es bleibt nach wie vor die Zeile aus der Internationalen aktuell: Uns aus dem Elend zu erlösen, können wir nur selber tun …

Ralph Petroff & D. S.