Gesundheit – eine Systemfrage
Die Grippesaison kommt in diesem Winter früher als erwartet, schreibt der Bayerische Rundfunk; deshalb und wegen anderer saisonaler Erkrankungen seien die Arztpraxen in Bayern (und sicher nicht nur hier) überfüllt. Dass dem so ist, lässt sich ja kaum bestreiten; aber liegt das wirklich an der Grippewelle?
Seit langer Zeit ist das Gesundheitswesen – dessen übergeordneter Zweck, wie der Name ja schon verrät, eigentlich in seinem Gebrauchswert besteht, Menschen wieder gesund zu machen – den ökonomischen Zwängen des Marktes unterworfen. Anders gesagt: Es geht nicht um Gesundheit, es geht um Profit; Gesundheit ist lediglich die Ware, mit der dieser Profit erzielt werden soll. Aus diesem Grund werden teilweise teure Operationen empfohlen und vorgenommen, obwohl der Patient mit weniger drastischen, jedoch billigeren Mitteln zu kurieren wäre. Aus diesem Grund schließen gerade auf dem Land und in dünner besiedelten Gegenden Arztpraxen – dort werfen sie keinen Profit ab, obwohl sie gerade dort dringend gebraucht würden. Dass bei einem solchen Gesundheitssystem die Gesundheit nicht im Vordergrund steht, liegt auf der Hand. Eine neue Hüfte? Kein Problem, das bringt Geld! Eine spezielle Therapie für etwas Selteneres? Ach, das kostet doch nur …
(Mit den Krankenkassen ist es übrigens nicht anders: Es kommt immer wieder vor, dass bestimmte Medikamente nicht verschrieben werden, weil sie zu teuer sind – und das, obwohl sie besser helfen oder der Patient die Alternative nicht verträgt. Wer das Geld dann nicht irgendwie zusammenkratzen kann, hat eben Pech gehabt. Aber das ist ein etwas anders gelagertes Thema, auf das wir daher hier nicht näher eingehen.)
Doch jetzt wird ja alles besser, denn dieser Sektor wird nun endlich so richtig umgekrempelt. Sie sind skeptisch? Aus gutem Grund. Denn umgekrempelt werden soll nicht im Sinne der Werktätigen, sondern im Sinne der Militarisierung auch des Gesundheitswesens. Das soll zwar wieder fit gemacht, aber auf die Behandlung verwundeter Soldaten ausgerichtet werden. Für Soldaten sollen genug Betten vorhanden sein, Krankenhäuser sollen an strategisch wichtigen Orten stehen. Wohlgemerkt: Wenn alte Menschen kilometerweit in die nächste Klinik fahren müssen, interessiert das die Herrschenden natürlich nicht. “Strategisch wichtig” bezieht sich einzig und allein auf den Krieg. Und denken Sie ja nicht, dass ein Schwerkranker oder Verwundeter dann einen Platz im Krankenhaus bekäme – Pech gehabt, die sind eben nicht kriegswichtig. Es werden schließlich Soldaten zusammengeflickt, damit sie so schnell wie möglich wieder töten und sterben können.
Das zeigt wieder mal zweierlei ganz deutlich: Erstens, die Herrschenden rechnen wirklich mit einem Krieg und damit, dass es in erheblichem Maße Verwundete geben wird. Da sie aber nicht ernsthaft glauben können, dass die Bundesrepublik angegriffen wird (was wollte ein Invasor denn hier?), lässt das nur einen Schluss zu – zu dem der Leser mühelos selbst wird kommen können. Und zweitens zeigt sich erneut, wo wir Werktätigen und unsere Interessen stehen: Solange es um Otto Normalverbraucher geht, ist natürlich kein Geld da; unsere Leben sind nur insoweit relevant, als wir als Arbeitstiere zur Verfügung stehen. Doch kaum geht es um Banken, Konzerne oder eben um die Kriegführung, sitzt das Geld plötzlich locker.
Wer diese Verhältnisse grundsätzlich ändern möchte, hat letztlich nur die Wahl, sich für den Sozialismus einzusetzen.
Ralph Petroff
